gunter sachs

Aus dem 'Bauch' – mit Gefühl und Pinsel

 

Als ich 1989 das erste Mal in den Weiler Walchsee am Walchsee im schönen Tirol kam, war es, um dort eine Behausung für zwei Jahre zu suchen. Es sollten elf werden.

Für unseren umtriebigen siebenjährigen Sohn 'Halifax' hatten wir in der Nähe genau die richtige Schule gefunden, die seinen zahlreichen Bedürfnissen entsprach. Just das erste Haus, das wir im Kaiserwinkel, jener Erhöhung über Walchsee besuchten, 'posste' – wie das vielfältige österreichische Wörtchen bekundet.

 

"Zwei Jahre in Walchsee", dachte ich, mit fliehenden Gedanken an St. Tropez und die weite Welt – und ging in die nächste Hotelbar nahe am See. "Zwei Jahre"– sinnierte ich.

"Aber Herr Sachs – was bringt Sie denn daher", rief eine heitere Stimme, "ausgerechnet zu uns nach Walchsee?" Ich schaute in die lachenden Augen einer fröhlichen, stattlichen Frau und fühlte ein sonderbares Wohlbefinden.

 

Maria lud mich auf ein Bier ein, zu dem sich auch mein verspäteter Freund Gebi aus Tirol gesellte. Wir sprachen über dies und das und endeten über das Wie und Was sich in Walchsee in Auen und zu Wasser erleben liesse.

 

Als Maria einen anderen Gast begrüsste, spürte ich wieder diese sonnige Herzlichkeit.

"Da liegscht guat Meischter, so oane find'scht nit jeden Tag", meinte Gebi.

Daraufhin erklärte Maria mir die Vor- und Nachteile 'meines Hauses' – ich telephonierte mit meiner Frau und kaufte das neue Heim, nicht zuletzt wegen der klaren Art und dem Charme der sympathischen Tirolerin.  Ja – so war's. Ich glaube an Intuition und Menschenkenntnis.

 

Im 'Schick' hatten wir bald bei Besuchen unseren Stammplatz. Ich hatte ihn ausgesucht, weil mir das Bild über der Sitzecke besonders gefiel. Zunächst dachte ich an eine gelungene Nachbildung – aber bei näherem Hinsehen bemerkte ich ein Original-Ölbild. Man tut guten Bildern oft unrecht, sie gleich mit grossen Meistern zu vergleichen "Das erinnert mich an ...".

Hier erübrigte sich das. Dieses Bild hatte einen eigenen Charakter: Zwei parallele, braun verlaufende Streifen lagen vor einem rostig wirkenden Hintergrund. An einer grossen Ausstellung der Abstrakten hätte sich das Bild sehr gut eingefügt.

 

Ich wusste damals nicht, wer der Künstler war – aber Sie haben es sicherlich erraten: Das Gemälde stammte aus Marias 'Bauch' – mit viel Gefühl und Pinsel. So muss es bei echten Künstlern sein.

Ich war verblüfft und angenehm – ja angenehm – geschockt.

 

Maria erschien mit beglücktem Lächeln und machte mir fast mehr Komplimente aufgrund der Freude, die sie empfand – als ich in meiner Verwunderung ausdrücken konnte. Jetzt wollte ich – und das noch vor dem Kaffee – weitere Werke sehen. In Ihrer bescheidenen und zugleich kraftvollen Art, die ich auch in ihren späteren Gemälden wieder fand – drehte sie die Zeit 20 Jahre zurück – und ich sah zarte Blumenbilder mit Schwung und Grazie. Von da an trat eine vorsichtige Entwicklung hin zum Abstrakten ein – bis zu jenen beiden Streifen über dem Rost. Aber auch das Darstellende verliess sie nie.

 

In kleinen und grossen Abständen – letztere weil wir nicht mehr im 'Kaiserwinkel' lebten – konnte ich von Mal zu Mal Marias Flug aus eigener Kraft zu immer Höherem erleben. Schauen Sie sich jene Bilder von damals bis heute an und versuchen Sie selbst, die Entwicklung darin zu lesen.

 

Maria ist für mich bis heute eine künstlerische Möwe Jonathan, die sich niemals dem selbstzufriedenen Ausruhen hingibt, sondern den Flug zu den höchsten Höhen und weitesten Horizonten sucht, findet und weiter sucht ...

Eine wahre Künstlerin.

 

Ich bin stolz – Dein Freund zu sein.

Gunter Sachs

 

 

(Vorwort zum Kunstkatalog "botschaften" 2010)

Maria Fischbacher-Jaehner  Johannesstrasse 1, 6344 Walchsee, Telefon: 0043 /664 /200 49 58 info@maria-fischbacher.com                        www.maria-fischbacher.com
Maria Fischbacher-Jaehner Johannesstrasse 1, 6344 Walchsee, Telefon: 0043 /664 /200 49 58 info@maria-fischbacher.com www.maria-fischbacher.com