dr. helga reichart

Steht man vor den Bildern Maria Fischbachers spürt man es sofort: Hier ist eine Vollblutkünstlerin am Werk, eine Frau, ruhend in ihrer Mitte. Eine Malerin, die in der Auseinandersetzung mit dem Geist der Moderne eine sehr persönliche Weltsicht in ihr Werk einbringt. Ein Schweizer Besucher stand neulich vor diesen Arbeiten, schnaufte kurz durch und zitierte: „Der Kunstbanause ist verzückt, der Kenner staunt.“ Damit ist schon Vieles gesagt, aber noch lange nicht alles erklärt: Erfühltes, Erträumtes, Erlebtes und Erlittenes finden in diesen Arbeiten ebenso Platz wie die verinnerlichte Sehnsucht nach einer eigenen, emotional bestimmten Kunstsprache, die weitab von jeglicher Nachahmung äußerlicher Gegebenheiten steht. „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder – sondern macht sichtbar“, sagt Paul Klee. Das könnte auch das Motto von Maria Fischbacher und ihrem sensiblen, aber auch unglaublich expressiv geschwungenem Pinsel sein. Hier entlädt sich eine künstlerische Kraft, bestimmt vom Willen, mit dem Herzen zu sehen und authentische Zeichen zu setzen. Es sind ergreifende Botschaften aus dem innersten Reich der Emotion, die Maria Fischbacher mit ihren Bildern an die Mitmenschen aussendet. An uns liegt es, diese Botschaften aufzufangen und – falls wir offen und bereit sind – auf unsere Weise zu deuten und zu leben.

 

Haben wir die Persönlichkeit „Maria Fischbacher“, ihre Kapazität und malerische Message erst einmal voll erfasst, so können wir kaum mehr von der unglaublichen Vielfalt ihrer Talente überrascht werden. Aber wenn auch Ihre Liebe zum schöngeistigen Denken und bildnerischem Tun immer existent war, wenn sie auch schon als Kind ihre G´schichteln über „Die krachende Bettstatt“ schrieb, zeichnete und malte – mit der großen Hingabe zur bildenden Kunst musste sie sich Zeit lassen. Die frische, kluge „Ur-Walchseeerin“, war hineingeboren in den Familienbetrieb Hotel Schick mit Kurzentrum Vitaschick und fest in den Aufbau des Unternehmens eingebunden. Wie selbstverständlich ergaben sich für Maria daher Hotelfachausbildung, Arbeitsaufenthalte im Ausland, Perfektionieren in Fremdsprachen und Management ....alles mit hohem persönlichen Einsatz erarbeitet, mit Herz und Verstand um- und eingesetzt. Das machte aus ihr nicht nur die erfolgreiche Geschäftsfrau und Hotelchefin, sondern auch eine liebevolle Ehefrau und Mutter von drei Kindern sowie ein ambitioniertes Mitglied touristischer und kommunalpolitischer Initiativen. Wie das Multitalent selbst sagt, fand sich aber bald „in Musik und Poesie eine kreative Nische zur Entspannung nach einem arbeitsreichen Alltag“. Und sie organisiert Kunstausstellungen, musikalische Abende und Lesungen sowie u.a. das Adventsingen in der Pfarrkirche, sammelt alte und neuere Schriften und Bücher aus der Adventzeit – es sind sogar wertvolle handgemalte Exemplare darunter – und hat ständig neue Ideen im Kopf.

 

Anfang der 90er Jahre führt der starke Wunsch nach neuen Ausdrucksformen Maria Fischbacher in die Malerei. Das Experimentieren mit Farben, unterschiedlichen Materialien und Maltechniken bestimmt von nun an ihren Weg. Natur, Reisen, Begegnungen mit Menschen und dem eigenen Ich liefern die Bildideen. „Aufbruch“, „Entfaltung“, „Kraft“, „Harmonie“, „Begegnung“ heißen ihre Bilder damals. Als für sie vor einiger Zeit eine schwere Erkrankung zu überwinden war, widmet sie sich mit noch größerer Ernsthaftigkeit und Konsequenz der Malerei. Maria schöpft aus ihrem Kunstwollen – das sie als Auftrag empfindet – neue Kraft und Energie. Sie „malt sich frei“ und findet zu ihrem „Zweiten Leben“, wie sie es nennt. Entschlossen vertieft sie ihr Können mehrmals jährlich in Seminaren bei namhaften Lehrern und findet von ersten melodiösen Aquarellen zu einer unverwechselbaren Bildsprache. In Maria Fischbachers Werken liegt das aufrichtige Bekenntnis zum Leben, zum Diesseits.

 

Das „Zweite Leben“ der Künstlerin ist bestimmt von ihrem Schöpfertum und damit zugleich Erfüllung. Die leuchtende Farbmalerei Maria Fischbachers ist der kraftvolle Ausdruck einer individuellen Sonderform des „Abstrakten Expressionismus“ – eine Kunstrichtung, die sich vom rein Gegenständlichen gelöst hat und in spontaner Abkehr von der Außenwelt den inneren Erlebnisbereich zum Gestaltungsfeld erhebt. Im intuitiven Malprozess holt die Künstlerin Gefühle und Assoziationen aus dem Unbewussten und realisiert diese auf der Leinwand: Fischbacher legt damit Bekenntnisse zum eigenen Ich-Sein wie auch zu ihren seelischen Empfindungen im Akt des Malens vor. Sie hegt aber auch den Wunsch, sich über den Weg ihrer Kreativität an die emotionalen Schichten der Menschen heranzutasten und den Betrachter dazu aufzurufen, sich mit ihren Bildern einzulassen.

 

Aus der „Innenschau“ Maria Fischbachers erwachsen vielfach Arbeiten serieller Natur, wie sie zum Beispiel in den flammenden „Botschaftsbildern“ von 2009 oder in der farblich zurückgenommenen Serie „Alles ruht in uns selbst“, 2008, vorliegen. In diesen Arbeiten geht die gestalterische Intention der Künstlerin vorwiegend dahin, die Bildstruktur lapidar zu vereinfachen und den intensiven Farbwert im Bild durch dominante, eigenwillig platzierte Formen, Linien, grafische Kürzel zu übersteigern. Ihr Kolorit beschränkt sich auf wenige, beherrschende Töne und liebt – dies mag wohl in Marias erdgebundener Persönlichkeit begründet sein – alle Erdfarben, von Sand, Lehm über Ocker, Orangerot und Rostbraun bis zum dunkelsten Schwarzbraun. Aber es kann auch vorkommen, dass die Malerin – die gerne experimentiert – plötzlich in üppig-vibrierenden Rotfantasien – diesen typischen Ausdrucksträgern der Leidenschaft – triumphiert („Musikbotschaften“), oder dass sie, aus einem anderen „Bauchgefühl“ heraus, ganz überraschend auf monochrome, weiß-bräunliche Klangwerte und fließende Formierungen umsteigt („Alles ruht in uns selbst“).

 

Nun zu Maria Fischbachers malerischen „Botschaften“, mit denen sie sich auf frühe, spätere und zeitgeistige Schriften einlässt: Schriftbilder weisen weit zurück in die Menschheitsgeschichte; sie sind unersetzliche Botschaften, seien sie auch nur fragmentarisch erhalten und schwierig zu deuten. Fischbacher achtet in ihren „Botschaftszyklen““ sorgsam darauf, den zumeist verwehten, verblassten kalligraphischen Spuren unterschiedlicher Kultur-Epochen durch emotionsbetonte Bildgeschichten neues inneres Leben einzuhauchen. So forscht sie mit ihren poetischen Collagen, zum Beispiel, dem Symbolcharakter ägyptischer Hieroglyphen nach und breitet „Die Botschaft des Pharao“ auf sandfarbenem Bildgrund vielsagend vor dem Betrachter aus; sie vertieft sich in die Archaik der Runen, die – eingekerbt in rostfarbene Wegweiser – „Alles erzählen“. Sie liest und lebt im Spannungsfeld „Zwischen den Zeilen“ – genau dort, wo ein roter Kerzenstumpf sinnliche Spuren aus Schriftbündeln und gestischen Kürzelzeichen tanzen lässt. Die Botschaften „Licht ist Leben“ und „Carpe Diem“ entspringen aus den Funken aufblitzender Morsezeichen, deren mystischer Bildraum – erfüllt vom Zauber unausgeklärter Farb- und Lichtschwingungen – für Fischbacher eine eigene metaphysische Deutung erhält, die an Arbeiten der Pittura metafisica (eine eigenwillige Variante des Magischen Realismus) erinnert.

 

Andernorts wird in ihrem „Karneval der Sprache“ ein vieldeutiges Gespinst aus Schriftformen im Schein einer seitlich eindringenden Lichtquelle plötzlich lesbar: Impulsiv-Gestisches wechselt mit Ruhe, Helles mit Dunklem, Erdachtes mit Erlebtem. Dann wiederum ergibt sich die Malerin überraschenderweise einer völlig anderen Stimmung und künstlerischen Handschrift: Sie überschüttet die brennenden „Musikbotschaften“ der Oper „Elektra“ mit festlich-roten Farbwürfen, während sie seltsame Mirkoorganismen den Fluss des Kolorits kreuzen und in melodischen Tropfen zu Boden sinken lässt. Fischbachers ungebrochener Experimentierfreudigkeit gelingt es außerdem, die absurden Signs und gefährlichen „Zahlenbotschaften“ der Signalwelt von heute zu entwaffnen und ihnen alle Bedrohlichkeit zu nehmen. Der elementaren Epik der zuvor betrachteten Werke stehen die leisen, leichten Bildfolgen „Alles ruht in uns selbst“ gegenüber. Auf reliefiertem, vorwiegend monochrom gehaltenem Malgrund eröffnen sich Assoziationen zur Skyline einer Großstadt oder zu poetischen Landschaften, die auch imaginäre Seelenlandschaften sein könnten. Authentisches und Mythisches fließen in diesem Vierteiler ineinander, werden ins Persönliche umgedeutet und ergeben neue Denkbilder, wie sie uns zum Beispiel auch die ins Grafische tendierende Botschaft „Hör mir zu“ vermittelt. Es scheint fast so, als empfinde sich die Malerin Maria Fischbacher selbst als Werkzeug, welches den wahren Stimmungsgrund jeden Pinselstriches, jeden Schriftzuges, jeder „Unmöglichkeit des Schweigens“ aufdecken und weitergeben muss. Und es ist dieser Künstlerin geschenkt, Kraft und Bedeutung, ja den ganzen Reichtum verinnerlichter „Botschaften“ mittels ihrer Arbeiten – die wahrer sind als die Wirklichkeit – darzustellen, den Betrachter zu fesseln und in das Werk mit einzubinden.

 

(Kunstkritik zum Kunstkatalog "botschaften 2010)

Maria Fischbacher-Jaehner  Johannesstrasse 1, 6344 Walchsee, Telefon: 0043 /664 /200 49 58 info@maria-fischbacher.com                        www.maria-fischbacher.com
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